Grabungen von 1875 bis 1936
Pfalz Werla - Die Geschichte ihrer Erforschung
Die wissenschaftliche Beschäftigung mit Werla reicht bis in die Mitte des 18. Jh. zurück. Nicht zuletzt die eindrückliche und für die Geschichte des späteren Deutschen Reiches so bedeutsamen Ereignisse im Jahr 924 oder 926 machten eine Lokalisierung des Ortes wünschenswert.
Nach längerer Auseinandersetzung gelang des den Juristen Rudolf August Nolte und Christian Ulrich Grupen, die unterschiedlichen Angaben zu verknüpfen und Werla im Bereich zwischen Dorstadt, Heiningen und Schladen zu lokalisieren (1747 und 1751). Die anderen Möglichkeiten der Lokalisierung – darunter Werl in Westfalen, Warle am Elm bei Schöppenstedt, am Fuß der Harzburg, im Stadtgebiet von Goslar oder auch in Mecklenburg – schieden damit aus. Ein weiterer Durchbruch wurde erzielt, als der Hildesheimer Stadtarchivar Herrmann Adolf Lünzel – auf Vorarbeiten der Juristen Franz Anton Blum und Christian Erdwin Holzmann – die vom Kloster Heiningen abhängige, 1818 niedergelegte Kapelle auf dem Kreuzberg mit der Pfalz Werla verband.
1875: Bauinspektor E. F. A. Schulze

Lageplan der Werla, nach E. F. A. Schulze (10.02.1875)
Nicht zuletzt durch die 1873 betriebene Wiederherstellung der Pfalz in Goslar erwachte auch das Interesse an Werla neu, die Pfalz trat gewissermaßen aus dem Schatten von Goslar. Der dortige Bauleiter E. F. A. Schulze führte zur praktischen Überprüfung im Jahr 1875 auf dem Plateau, also im Bereich der Kernburg, eine kleine Untersuchung durch. Man möchte dies nicht als planmäßige Ausgrabung verstehen, zumal die Archäologie als Wissenschaft zu dieser Zeit methodisch noch in den Anfängen steckte. Die geborgenen Funde jedoch wurden als eindeutiger Beweis für die Richtigkeit der Lokalisierung gewertet. Außerdem fertigte E. Schulz einen Plan, der die Lage seines Schnittes, der freigelegten Fundamentreste sowie der Ringmauer wiedergibt.
Zur Erinnerung an diesen historisch bedeutsamen Ort wurde noch im gleichen Jahr ein Gedenkstein mit der Inschrift „Kaiserpfalz Werla“ aufgestellt. Drei Linden rahmen den Stein gewissermaßen ein und bestimmen bis heute das Landschaftsbild.
1926: Prof. Uvo Hölscher
Nach 1925 bemühte sich Franz Kaufmann, Lehrer in Schladen, um die Erforschung der Pfalz. So befasste er sich noch einmal mit der schriftlichen Überlieferung; schließlich gab er im Privatdruck eine kleine Monographie zu Werla heraus. Kaufmanns besonderer Verdienst ist es, dass sich wieder amtliche Stellen mit Werla befassten und schließlich 1926 die Durchführung einer Grabung ins Auge fassten.
51 Jahre nach der ersten Grabung kam es zu einer erneuten Sondage, geleitet von Uvo Hölscher. Dieser hatte in Hannover einen Lehrstuhl für Architektur und Baugeschichte inne und war durch seine Forschungen zur Pfalz Goslar ausgewiesen. Allerdings fand diese Untersuchung zur ungünstigsten Jahreszeit (30.01.1926) statt, zudem beschränkte sich auf eine kleine Fläche.
So wurde das bereits 1875 gefundene Fundament noch einmal freigelegt. In einiger Entfernung wurde zudem ein längerer Suchgraben durch das Gelände gezogen. Dem vorliegenden Plan und vor allem der Befundbeschreibung ist zu entnehmen, dass Hölscher die westliche Hälfte der so genannten „Kemenate“, des Estrichbaus, freilegen ließ. Weitere Spuren von Steinbauten wurden nicht gefunden. Hölscher vermutete, dass es sich bei dem untersuchten Fundament um die Reste des einzigen Steingebäudes auf der Werla gehandelt habe und es im Übrigen nur Holzgebäude gab.
1934: Baurat Dr. Karl Becker

Lageplan der Werla, nach K. Becker (August - Oktober 1934)
Bereits 1931 bemühten sich die Geschichtsvereine von Goslar und Braunschweig um eine Fortsetzung der Grabungen.
In Folge der schwierigen Zeitläufe verzögerte sich der Beginn einer planmäßigen Untersuchung erheblich. So wurde erst am 9. September 1933 die Werla-Kommission gebildet. Dieses Gremium setzte sich zum Ziel, die Grabungen und ihre Finanzierung sicherzustellen und die verschiedenen Arbeiten um die Pfalz zu koordinieren.
Folgerichtig bestanden die Mitglieder u. a. aus Vertretern des Landkreises Goslar, des Regierungspräsidiums und den Angehörigen verschiedener Wissenschaftszweige. Von besonderer Bedeutung ist, dass mit Karl Hermann Jacob-Friesen von Anfang an ein Archäologe in diesem Gremium mitwirkte. Der damalige Landkreis Goslar sicherte durch einen Grundbetrag die Grabungen ab, weitere Gelder wurden von der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft eingeworben.
Im August 1934 begannen die Grabungen. Sie standen unter der Leitung des Bauforschers Karl Becker, der sich nicht zuletzt durch seine Arbeiten in Goslar und Hersfeld einen Namen gemacht hatte. Bis Oktober 1934 wurden neben dem bereits unter U. Hölscher aufgedeckten Estrichbau auch der so genannte Zwischenbau und Teile der Kapelle freigelegt. Es wurden also erstmals größere und zusammenhängende Flächen planmäßig untersucht, wobei der sog. Zwischenbau und die Kapelle im Mittelpunkt standen.
K. Becker deutete Kapelle und Zwischenbau als zusammenhängenden Baukörper, ging also von einer langrechteckigen, kreuzförmigen Saalkirche aus. Unklar bleibt, warum K. Becker für die Apsis einen hufeisenförmigen Grundriss rekonstruierte.
Mittels kleinerer Suchschnitte suchte K. Becker zudem den Verlauf der Wehrmauer zu erfassen. Dies gelang für die südöstliche Seite sowie für den Bereich, in dem später das Westtor der Kernburg freigelegt wurde.
Prähistorische Fund wurden in vergleichsweise geringer Zahl geborgen, hinzuweisen ist auf ein neolithisches Hockergrab.