Pioniere der Luftbildarchäologie

 

Luftbild vom 18.03.1937 Umzeichnung des Luftbildes (Interpretation; nur teilweise korrekt)

Um einen Überblick über das gesamte in Frage kommende Gelände zu bekommen, wurden von der Fliegerbildschule Hildesheim ab 1937 Luftaufnahmen von Werla angefertigt.

Kurz nach der Schneeschmelze ist die erste Aufnahme am 18.03.1937 entstanden. Der Termin war für den Erfolg von entscheidender Bedeutung, weil zu diesem Zeitpunkt der Boden durch Feuchtigkeit besonders gesättigt war. Dabei nahmen lockerere Bodenteile, wie z. B. wieder zugeschüttete Gräben, mehr Feuchtigkeit auf und zeigten eine andere Färbung als der weniger wasserdurchlässige gewachsene Boden.

Luftansicht 1938 Die Auswertung der Bilder erfolgte mittels der Stereoskopie. Diese Methode war im 19. Jh. entwickelt worden; im 1. Weltkrieg wurde sie erstmals zu militärischen Zwecken (Fernaufklärung) eingesetzt. Dazu wurden zwei mehrere Meter auseinanderliegende Luftaufnahmen benutzt, um eine gegenüber dem normalem Augenabstand übertrieben plastische Darstellung zu erreichen. Geringe Erhebungen von einigen Zentimetern wurden so zu mächtigen Geländerücken und flache Mulden zu deutlichen Gräben. Der Verlauf ehemaliger Erdwälle, Steinmauern oder Festungsgräben wurde so sichtbar. Andere Verfärbungen blieben flach und ließen auf Wege schließen.

Durch den Einsatz dieser neuen Methode wurden die beiden riesigen Vorburgen, zusammen ein zusätzliches Areal von ca. 350 m x 600 m Fläche, erstmals entdeckt. Ohne den Einsatz der Luftbildarchäologie wären die Vorburgen möglicherweise unentdeckt geblieben, weil es kein Vorbild einer so großen Befestigungsanlage gab, und daher auch keine Veranlassung, einige hundert Meter vom Fundort der Hauptburg entfernt weitere Grabungen durchzuführen.

Luftbild der Hauptburg, 15.07.1937 Im Sommer 1937 wurden weitere Luftaufnahmen angefertigt, um die Veränderungen der Verfärbungen und des Bewuchses zu beobachten sowie den Fortgang der Grabungen zu dokumentieren. Beispielsweise zeigt die Aufnahme vom 15.07.1937 im hoch stehenden Getreide den Verlauf der Pfalzmauern recht deutlich: auf den nicht weit unter der Oberfläche liegenden Mauerresten konnte das Getreide nicht so gut wurzeln, die Ähren blieben leichter und wurden im Gegensatz zu den schwereren Ähren des umliegenden Getreides nicht durch vorhandene starke Regenfälle niedergelegt.

Die Luftbilder aus den Jahren 1938 und 1939 wurden angefertigt, um den Fortgang der Grabungen zu dokumentieren. Diese Luftbilder wurden vor allem auch für die Öffentlichkeitsarbeit (Zeitungsberichte) verwendet und prägen das Bild von Werla bis heute.